Building Knowledge Together: Citizen Science, Communication, and Trust | 5 - 6 October 2026, Berlin

Gloria Koepke

Citizen Science Koordination, Forschungsdezernat der Universität Tübingen


Sessions

10-05
11:30
15min
Vertrauen als Facilitator: Citizen Science im 1000 Bäume-Projekt zwischen Exzellenzcluster und Obst- und Gartenbauvereinen
Gloria Koepke, Oliver Häußler

Gemeinsam neues Wissen zu schaffen bedeutet mehr als das Zusammentragen von Daten oder die gemeinsame Auswahl von Methoden. Koproduktion von Wissen setzt gegenseitiges Vertrauen zwischen allen beteiligten Akteur:innen voraus. In diesem Beitrag wird untersucht, wie Vertrauen in Citizen-Science-Projekten entsteht, sich verändert und welche institutionellen Strukturen diesen Prozess unterstützen können. Als Fallbeispiel dient das sogenannte 1000 Bäume Projekt, das vom Exzellenzcluster TERRA der Universität Tübingen, dem Landratsamt Reutlingen und lokalen Obst- und Gartenbauvereinen initiiert wurde. Ziel des Projekts ist es, im Rahmen einer groß angelegten Aufforstung die Wirkung von Pflanzenkohle auf die Klimaresilienz von Streuobstwiesen zu erforschen. Dies ist das erste im institutionellen Rahmen des Public Engagement Hub der Universität Tübingen begleitete Citizen Science Projekt. Der Hub, bestehend aus Mitgliedern mit Expertise zu Citizen Science, Wissenschaftskommunikation und Public Engagement begleiten das Projekt methodisch und moderativ.

Citizen Science versteht sich als Ansatz, wissenschaftliche Wissensproduktion zu öffnen und lokales Erfahrungswissen gleichberechtigt einzubeziehen. Dieses Ideal stößt jedoch im Projektalltag auf komplexe soziale Dynamiken. Während sich Forschende um wissenschaftliche Standards und Datenqualität sorgen, hinterfragen Praxispartner:innen die Relevanz oder Praktikabilität der Forschung in Bezug auf ihre praktischen Erfahrungen, Bedarfe oder täglichen Herausforderungen.
Der erste Teil unseres Beitrags beschreibt, wie die unterschiedliche Akteurslogiken im 1000 Bäume Projekts für den Aufbau von Vertrauen produktiv bearbeitet werden. Wir argumentieren, dass sich Vertrauen gerade dort entwickelt, wo Differenzen sichtbar bleiben und gemeinsam bearbeitet werden. Zudem argumentieren wir, dass Vertrauen Zeit und Kontinuität braucht: Über dem 1000 Bäume Projekt als Citizen-Science-Projekt steht das Commitment, dass der dialogische Kontakt zwischen der Universität Tübingen und den lokalen Wiesenbewirtenden über das Projektende hinaus Bestand haben soll.

Im zweiten Teil unseres Beitrags wenden wir den Blick intensiv auf die Universität: Vertrauen muss auch innerhalb der Wissenschaft selbst entstehen. Forschende, die in leistungsorientierten Forschungsstrukturen arbeiten, begegnen transdisziplinären Projekten häufig mit Skepsis, etwa im Hinblick auf die wissenschaftliche Qualität oder Publikationsfähigkeit. In unserer Arbeit im Public Engagement sehen wir auch, dass ein weiterer Vertrauensfaktor Gelingensbedingung für transdisziplinäre Forschung ist: das Vertrauen der Wissenschaftler:innen in die eigene Fähigkeit zum gesellschaftlichen Dialog. Wenn Forschende kein Vertrauen in ihre eigenen kommunikativen Fähigkeiten haben, entsteht die Sorge, einen gesellschaftlichen Dialog nicht angemessen moderieren zu können und zum Beispiel unvorhersehbare Fragen nicht beantworten zu können oder die Dynamik der Diskussion zu verlieren. Citizen Science erfordert also nicht nur Vertrauen seitens der Öffentlichkeit in Forschung, sondern auch das Vertrauen der Forschung in ihre eigene Offenheit gegenüber Gesellschaft.

Der Public Engagement Hub der Universität Tübingen unterstützt diesen doppelten Vertrauensprozess institutionell. Er ist ein Bindeglied zwischen Wissenschaft und außeruniversitärer Gesellschaft und begleitet ko-kreative Prozesse methodisch und moderierend. Das 1000 Bäume Projekt verstehen und begleiten wir im Public Engagement Hub als sogenanntes Ko-Kreations-Team. In diesen Ko-Kreations-Teams arbeiten Vertreter:innen der Forschung, des Public Engagement Hubs und zivilgesellschaftlicher Initiativen gemeinsam. Diese Struktur entlastet Forschende von sozialer Moderationsarbeit und schafft gleichzeitig Räume, in denen sowohl Wissenschaftler:innen als auch Praxispartner:innen zu Teilnehmenden werden und sich so besser auf Augenhöhe begegnen können. Zugleich werden Wissenschaftler:innen im Verlauf dieser Kooperation schrittweise in die praktischen und kommunikativen Dimensionen transdisziplinärer Arbeit eingeführt. So entsteht auf wissenschaftlicher Seite schrittweise das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Dialog- und Partizipationsprozesse zu gestalten.

Vertrauen ist in Citizen-Science-Projekten ist kein statischer Zustand, sondern ein fortlaufender sozialer Prozess. Am Beispiel des 1000 Bäume Projekts zeigt sich, dass Vertrauen weder selbstverständlich gegeben noch alleinige Voraussetzung gelingender Kooperation ist. Gegenseitiges Vertrauen aller Beteiligten ist vielmehr das Ergebnis gemeinsamer Ko-Kreation. Der institutionell begleitete Ko-Kreationsprozess ist dabei nicht nur Vehikel für das Vertrauen in (transdisziplinäre) Wissenschaft, sondern zugleich auch Vehikel für das Vertrauen von Wissenschaftler:innen in die eigene Fähigkeit, transdisziplinär zu forschen.

Practice Insights
Room 1
10-06
11:00
40min
Collegial Exchange: Trust in Citizen Science at Universities - Strategies, Challenges and Collaborative Solutions
Gloria Koepke, Oliver Häußler

How can citizen science be strategically implemented and sustainably embedded within university structures? This session brings together practitioners, researchers and institutional actors working at the intersection of participatory research and higher education. It aims to create a collaborative space for exchange, mutual learning and reflection on enabling conditions for long-term institutionalization.

As an input, we will briefly present the Public Engagement Hub at the University of Tübingen. The Hub acts as an agile interface, facilitating exchange between academia and civil society. The hub brings together experts from the university in the fields of citizen science, media literacy and video production, public engagement and science communication. We will share insights into its development, its role within the university’s strategic framework as well as successes and pitfalls encountered along the way.

Building on this example, the session will open into a collegial exchange focused on shared challenges and transferable approaches. A central aim of the roundtable is to foster solidarity and mutual learning across institutional contexts.

Guiding questions for discussion include: How can citizen science be integrated into university strategies? How can its implementation be meaningfully evaluated? How can mistrust among researchers toward citizen science be addressed and transformed? What training, incentives, and support structures effectively empower researchers to engage in participatory approaches? And what opportunities exist for cross-institutional collaboration to strengthen the recognition of citizen science?

Innovative Format (Workshop, Roundtable, Demonstration, Dialogue or Participation Session)
Room 2