05.10.2026 –, Room 2 Sprache: English
Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Forschung im Bereich mentale Gesundheit ist bislang selten (Totzeck et al., 2024) – trotz wachsender Evidenz für zunehmende psychische Belastungen in dieser Altersgruppe (McGorry et al., 2024) und klarer normativer Vorgaben zur Beteiligung, etwa durch die UN-Kinderrechtskonvention (KRK, 1989). Vor dem Hintergrund globaler Krisen wie Klimawandel, Kriegen und gesellschaftlicher Unsicherheit wird häufig ein defizitorientierter Blick auf junge Menschen eingenommen. Demgegenüber steht die Perspektive, Kinder und Jugendliche als handlungsfähige Akteur:innen zu verstehen, deren Erfahrungen und Sichtweisen nicht nur relevant, sondern essentiell für die Weiterentwicklung von Forschung und Versorgung sind. Und genau darauf setzen wir: KOMMIT-Kids vertraut Kindern.
Der Beitrag umfasst eine kurze Keynote zu Hintergrund, Zielen und ersten Erfahrungen des Projekts KOMMIT-Kids, gefolgt von einer moderierten Podiumsdiskussion mit Kindern und Jugendlichen, Forschenden und Praxispartner:innen zu Fragen der Kommunikation in Citizen-Science-Projekten. Optional ist – je nach Zeit – eine interaktive Öffnung im Fishbowl-Format vorgesehen, in der das Publikum zentrale Themen wie Forschung der Zukunft, Vertrauen in Wissenschaft und partizipative Forschung gemeinsam reflektiert.
Das Projekt KOMMIT-Kids, initiiert durch den Trialogischen Zentrumsrat des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit, greift den Bedarf nach zielgruppenorientierter Forschung auf. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 17 Jahren systematisch als Expert:innen ihrer eigenen mentalen Gesundheit in die Priorisierung von Forschungsthemen einzubeziehen. Der Zeitpunkt des „Trust in Citizen Science“-Symposiums ermöglicht es uns, umfassend Einblicke in die partizipative Projektentwicklung zu geben sowie erste Ergebnisse des multimethodischen Sammelprozesses vorzustellen (siehe Abbildungen), in dem mittels Postkartenaktionen, Face-to-Face-Workshops und digitaler Plattformen Forschungsfragen von jungen Menschen gesammelt wurden.
KOMMIT-Kids versteht den Forschungsprozess als bidirektionalen Austausch von Wissen und Vertrauen: Während Kinder und Jugendliche Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten und Themen der mentalen Gesundheit gewinnen, lernen hauptamtlich Forschende von den Perspektiven, Prioritäten und Fragestellungen von Kindern. Gerade mit Kindern wird partizipative Forschung dabei als soziale Praxis des Dialogs verstanden – nicht nur zwischen Wissenschaft und einer abstrakten „Öffentlichkeit“, sondern ganz konkret zwischen erwachsenen Forschenden und Kindern und Jugendlichen. Sie ist damit ein demokratisches Unterfangen, das kindliches Erfahrungswissen als gleichwertig zu wissenschaftlichem Wissen anerkennt und ernst nimmt (Russell et al., 2020). Gerade in Zeiten zunehmender Wissenschafts- und Demokratieskepsis ist die Beteiligung von Kindern an Forschungsprozessen von besonderer Bedeutung. Erste Erfahrungen mit Ko-Forschenden unterschiedlichen Alters deuten darauf hin, dass es nicht nur darum geht, Vertrauen in wissenschaftliche Institutionen bei Kindern und Jugendlichen zu stärken, sondern insbesondere auch darum, das Vertrauen in junge Menschen selbst zu fördern – im Sinne einer stärkeren Zuschreibung von Kompetenz durch Wissenschaftler*innen. Wie eine 16-jährige Ko-Forscherin formuliert: „Also, dass man darauf wartet, es zu dürfen, obwohl man es kann.“
Neben den forschungsbezogenen Perspektiven widmet sich das Projekt kontinuierlich auch praxisorientierten Fragen: Welche Kommunikationsstrategien ermöglichen es, Vertrauen mit Kindern aufzubauen? Wie kann so kommuniziert werden, dass es für Kinder und Jugendliche verständlich, zugänglich und transparent ist? Wie kann KOMMIT Kids dabei anschlussfähig für unterschiedliche Lebenswelten sein? Und welche Rolle können wissenschaftliche und kulturelle Institutionen dabei spielen? Kooperationen mit Partnern wie dem Futurium zeigen, welches Potenzial in interdisziplinären Räumen liegt, die Wissenschaft, Öffentlichkeit und junge Menschen zusammenbringen und so neue Formen des Dialogs ermöglichen.
Insgesamt zeigt KOMMIT-Kids, wie gemeinsamer Wissensaufbau im Bereich mentaler Gesundheit konkret aussehen kann. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zu einer inklusiven, dialogischen und zukunftsorientierten Forschungskultur. Im Kontext des Wissenschaftsjahres 2026 „Medizin der Zukunft“ wird deutlich, dass partizipative Forschungsansätze auch eine Frage von Generationengerechtigkeit sind: Die medizinischen Innovationen von morgen betreffen insbesondere die Kinder und Jugendlichen von heute. Ihre Perspektiven frühzeitig in die Entwicklung von Forschungsfragen einzubeziehen, kann dazu beitragen, Relevanz, Akzeptanz und Wirksamkeit zukünftiger Versorgung zu verbessern.
Freie Universität Berlin,
Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit, Standort Berlin-Potsdam
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