Building Knowledge Together: Citizen Science, Communication, and Trust | 5 - 6 October 2026, Berlin

Bastian Kremer

Wissenschaft im Dialog


Session

10-05
11:00
15min
Preaching to the Choir? Empirische Befunde aus dem Wissenschaftsbarometer zum Zusammenhang von Bürgerbeteiligung und Vertrauen in Wissenschaft
Bastian Kremer

Citizen Science wird im wissenschafts- und gesellschaftspolitischen Diskurs seit einigen Jahren zunehmend als möglicher Schlüssel zur Stärkung des Vertrauens in Wissenschaft diskutiert. Der zentrale Gedanke besteht darin, dass die Beteiligung an wissenschaftlichen Prozessen Transparenz schafft, Einblicke in die Logik wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung ermöglicht und wissenschaftliche Entscheidungen dadurch nachvollziehbarer macht. Gleichzeitig mangelt es bislang häufig an empirischen Befunden darüber, unter welchen Voraussetzungen solche Beteiligungsangebote tatsächlich vertrauensfördernd wirken.

Die Daten des Wissenschaftsbarometers 2024, mit dem Wissenschaft im Dialog seit 2014 bevölkerungsrepräsentativ Einstellungen in der Bevölkerung gegenüber Wissenschaft und Forschung erhebt, liefern hierzu wertvolle Einsichten. Sie zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen der generellen Befürwortung von Bürgerbeteiligung und der tatsächlichen Bereitschaft, sich aktiv an wissenschaftlichen Prozessen zu beteiligen (siehe Abbildung 1). Während rund zwei Drittel der Befragten angeben, dass Bürgerinnen und Bürger stärker in die Festlegung wissenschaftlicher Forschungsthemen einbezogen werden sollten, ist die Zahl derjenigen, die sich vorstellen können, selbst an Projekten teilzunehmen oder an Dialogformaten mitzuwirken, deutlich geringer.

Die Teilnahmebereitschaft ist zudem in verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich stark ausgeprägt. Männer geben häufiger als Frauen an, aktiv an Forschungsprojekten teilnehmen zu wollen, und auch die formale Bildung spielt eine entscheidende Rolle: Vor allem hochgebildete Personen zeigen ein deutlich höheres Interesse an aktiver Beteiligung, während Befragte mit niedriger oder mittlerer formaler Bildung vergleichsweise zurückhaltend sind. Dies weist darauf hin, dass Citizen-Science-Angebote für bestimmte Gruppen leichter zugänglich oder attraktiver erscheinen und dass bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten auch in partizipativen Formaten reproduziert werden können.

Vor dem Hintergrund dieser Befunde wird deutlich, wie wichtig es ist, partizipative Formate so zu gestalten, dass sie für alle Bevölkerungsgruppen anschlussfähig und attraktiv sind – insbesondere, wenn das Ziel darin besteht, Vertrauen in Wissenschaft und Forschung insgesamt zu stärken. Denn auch hier zeigt das Wissenschaftsbarometer deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Besonders deutlich treten diese abermals zwischen Befragten mit hoher und niedriger formaler Bildung zutage. Daraus ergibt sich die Frage, inwieweit aktuelle Partizipationsformate potentiell in erster Linie für Bevölkerungsgruppen interessant sind, die ohnehin schon ein hohes Vertrauen in Wissenschaft aufweisen - während Bevölkerungsgruppen mit geringerem Vertrauen bei Citizen Science Projekten möglicherweise außen vor bleiben.

Die Ergebnisse des Wissenschaftsbarometers liefern damit eine wichtige empirische Grundlage, um mögliche Zusammenhänge zwischen Bürgerbeteiligung und Vertrauen zu diskutieren. Sie verdeutlichen, dass Citizen Science über ihre Rolle als Instrument der Wissensproduktion hinaus auch ein strategisches Potenzial für Vertrauensbildung besitzt – vorausgesetzt, Beteiligungsformate werden so konzipiert, dass sie für alle bzw. diverse Bevölkerungsgruppen attraktiv und anschlussfähig sind. Für die Gestaltung von Citizen-Science-Projekten bedeutet dies, partizipative Formate nicht nur als Einladung zur Mitwirkung zu verstehen, sondern als Kommunikations- und Vertrauensinstrument, das gezielt unterschiedliche Bevölkerungsgruppen erreichen und in dem wissenschaftliche Prozesse transparent und nachvollziehbar vermittelt werden können. Werden Citizen Science Formate auf diese Weise auf diese Weise eingesetzt und zielgruppengerecht konzipiert, können sie nicht nur Wissen generieren, sondern auch aktiv dazu beitragen, Vertrauen in Wissenschaft in der Gesellschaft zu stärken.

Research Insights
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