2026-10-05 –, Room 1 Language: Deutsch
Was macht es mit dem Vertrauen in Wissenschaft, wenn Bürger:innen aktiv in die Aufbereitung wissenschaftlicher Evidenz eingebunden werden? Der Beitrag stellt das Mitmachangebot von KLARpsy als praxisnahes Beispiel für eine partizipative Wissenschaftskommunikation vor, die zentrale Prinzipien von Citizen Science auf den Prozess der Kommunikation von Forschungserkenntnissen überträgt.
KLARpsy veröffentlicht auf der Website klarpsy.de wöchentlich ein bis zwei KLARpsy-Texte. Ein KLARpsy-Text ist eine allgemeinverständliche Zusammenfassung einer psychologischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse. Die Texte werden von erfahrenen Wissenschaftler:innen in Zusammenarbeit mit Personen ohne psychologischen Hintergrund (“Testleser:innen”) verfasst. Ergänzt wird das Angebot durch das KLARpsy-Wörterbuch, in dem Fachbegriffe aus der Psychologie allgemeinverständlich erklärt werden und das an den entsprechenden Stellen mit den KLARpsy-Texten verknüpft ist. KLARpsy ist ein Angebot des Leibniz-Instituts für Psychologie (ZPID) und hat zum Ziel, der interessierten Öffentlichkeit die psychologische Forschung zugänglich zu machen.
KLARpsy ermöglicht Beteiligung entlang mehrerer Stufen: Bürger:innen können als Testleser:innen Texte auf ihre Verständlichkeit prüfen und Begriffe für das KLARpsy-Wörterbuch vorschlagen. Zudem können sie Themen vorschlagen, zu denen Texte veröffentlicht werden sollen. Diese Formen der Beteiligung dienen der kooperativen Vermittlung evidenzbasierter psychologischer Erkenntnisse und der gemeinsamen Erschließung der wissenschaftlichen Psychologie.
Der Beitrag berichtet die Rationale und die Erfahrungen aus dem seit 2023 bestehenden Angebot und argumentiert, dass dieses Modell auch als Citizen Science verstanden werden kann: Bürger:innen wirken an der Bedeutungskonstruktion wissenschaftlicher Evidenz mit, ohne selbst Forschung im engeren Sinne durchzuführen. Anhand konkreter Erfahrungen aus der Umsetzung wird die Bedeutung von Transparenz (beispielsweise durch klare Evidenzstandards) und iterativen Feedbackprozessen für die veröffentlichten Inhalte gezeigt. Gleichzeitig werden Spannungsfelder diskutiert, etwa zwischen Offenheit für Beteiligung und Sicherung wissenschaftlicher Qualität sowie zwischen Teilhabe und epistemischer Autorität. Daran anschließend wird die Frage besprochen, wie sich diese Art der Beteiligung auf das Vertrauen sowohl der aktiv beteiligten Bürger:innen als auch der rezipierenden Bürger:innen auswirkt.
Mit der Praxisreflexion soll ein Gespräch darüber angestoßen werden, wie Wissenschaftskommunikation über die bloße Bereitstellung verständlicher Informationen hinausgehen kann; wie durch die Einbeziehung der Adressat:innen womöglich zusätzlich Vertrauen in den gesamten wissenschaftlichen Prozess gesteigert werden kann; und wie man den Begriff "Citizen Science" ganzheitlich verstehen und auch auf die späteren Phasen des Forschungsprozesses anwenden kann.
Leibniz-Institut für Psychologie (ZPID)